crossing europe 2019: Still Recording +

Bereits zum dritten Mal setzt Diskollektiv auf dem Crossing Europe Filmfestival mit seinem TROUBLE FEATURES-Doppelprogramm auf produktive Dissonanz unterschiedlicher Weltbilder und Bilderwelten. Diesmal wird ein aktueller syrisch-libanesischer Film mit einem Film aus dem Fundus der europäischen Filmgeschichte kombiniert.

 

“The image is the last line of defence against time“, heißt es im ersten Beitrag, Still Recording von Saeed Al Batal und Ghiath Ayoub. Zwischen 2011 und 2015 brachen die beiden regelmäßig in die Rebellenhochburg Ost-Ghuta in Syrien auf, um zusammen mit sechs weiteren Videographen den Alltag der Kämpfenden und der Zivilbevölkerung zu dokumentieren. Ihr Fronteinsatz zur Produktion archivierbarer Bilder ist zugleich politischer Akt, Aufruf zum Gedenken und Widerstand, Beweismittelführung und kritische Medienreflexion. Ein zwischen Trümmern entstandener Bilderstrom aus Fragmenten, der jenem der hiesigen Fernseh- und Dokutainment-Berichterstattung zuwiderläuft.

 

Still Recording trifft auf einen Gegenspieler aus dem Pool der europäischen Filmgeschichte. Dessen Identität wird jedoch erst mit Vorführungsbeginn gelüftet – um der Begegnung mit dem Unbekannten zum maximalen Effekt zu verhelfen. Inhaltliche, ästhetische und ideologische Reibungen sind garantiert! Das letzte Wort hat nicht der Abspann sondern das Publikum, bei einer anschließenden experimentellen Diskussion vor unbespielter Leinwand.

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crossing europe 2018: Der lange sommer der Theorie + die vier gesellen

"Was tun?"                                                                                                                                    Filmstills aus DER LANGE SOMMER DER THEORIE und DIE VIER GESELLEN

 

Das zweite TROUBLE FEATURE im Rahmen des CROSSING EUROPE FILMFESTIVALS ließ diesmal sehr verschiedene Weltbilder und Bilderwelten aufeinanderprallen: Der formalistisch verspielte Beitrag aus der Panorama-Sektion des Festivals Der lange Sommer der Theorie (R.: Irene von Alberti, D 2017) wurde mit den äußerst kontroversiellen Gegenspielerinnen aus Carl Froelichs Die Vier Gesellen (D 1938 !) konfrontiert. Eigentlich sind es vier Gesellinnen, die 1938 eine Grafikdesign-Firma gründen, um auf dem patriachalen Arbeitsmarkt im Berlin 1938 bestehen zu können. Dabei kommen emanzipatorische Themen, wie Solidarität unter Frauen und das gemeinsame Schaffen besserer Lebens- und Arbeitsbedingungen zum Zuge, die aber schlussendlich in einer Heiratstirade enden, die jeder der Gesellinnen ihren rechten Platz in der Volksgemeinschaft zuweist. Der Film ist vor allem wegen Ingrid Bergmann erhalten, die vor ihrem Durchbruch in Hollywood einen Vertrag mit der UfA einging (der sich aber nach diesem Film auflöste). Mehr dazu hier !

Die anschließende Diskussion unter Anwesenheit der Regisseurin Irene von Alberti warf Schlaglichter auf Feminismus, Propaganda, Arbeitsverhältnisse, Künstlerinnen-WGs und die von Lenin geprägte Frage: "Was tun?"

 

Danke an Irene von Alberti, alle Mitdiskutant*innen und das Team des CROSSING EUROPE FILMFESTIVALS !


Crossing europe 2017: Knives out + the wicker man

Die TROUBLE FEATURE-Gastveranstaltung am Crossing Europe '17 kombinierte einen Film aus der Panorama-Sektion des Festivals mit einem Überraschungsfilm im Rahmen eines DOUBLE-Screenings mit dem Ziel, das Publikum dem Unbekannten, Unerwarteten und Unvorhersehbaren auszusetzen.

Die rege Diskussion im Anschluss drehte sich um abgeschiedene Kommunen, Rassismen, Nationalismen, den Brexit, Polen und filmästhetische Fragen wie: Kult-Klassiker vs. Erstlingsfilm.

 

BURN ! BURN ! BURN !

Knives Out

Polen 2016, 90 Min.

R: Przemyslaw Wojcieszek

Knives Out operiert im Angriffsmodus und ist in der Wahl seiner Waffen ebenso wuchtig wie konsequent. Eine Gruppe polnischer Mittzwanziger trifft sich in einer klaren Herbstnacht auf einem abgeschiedenen Grundstück. Durch die Anwesenheit eines unerwünschten Gastes brechen die ideologischen Konflikte der post-kommunistischen Generation auf. Berauscht vom Alkohol und der eigenen Größe, befeuert durch immer feindseligere Worte und Taten, steuert die Zusammenkunft der Freunde in die Eskalation: die Jagt des Gastes.

The Wicker Man

Großbritannien 1973, 88 Min.

R: Robin Hardy

Der Polizist Sergeant Howie fliegt auf eine abgelegene schottische Insel, die aufgrund ihres angenehmen Klimas Summerisle genannt wird, um das Verschwinden eines jungen Mädchens aufzuklären. Neben Floraa und Fauna sprießen allerdings auch frivole Verhaltensweisen im Deckmantel eines paganistischen Kultes, was dem strenggläubigen Christen Howie übel aufstößt. Moralisch vom eigenen Glauben bestärkt widersteht er allen Versuchungen und entdeckt bei seinen Recherchen Anzeichen, die auf einen Opferkult hinweisen. Am 1. Mai, dem Tag des Opfers, verkleidet sich Howie als Narr, um an der festlichen Prozession teilzunehmen und das Mädchen zu retten. Doch der Eindringling entpuppt sich als Lockobjekt: am Ende siegt "The Wicker Man".